Bevor Sie weiterlesen, machen Sie bitte kurz einen Test. Dauert eine Minute.
Öffnen Sie ChatGPT und tippen Sie die Frage so ein, wie ein Kunde sie stellen würde: „Ich brauche einen zuverlässigen [Ihr Gewerk] in [Ihr Ort], wen kannst du empfehlen?“
Sie bekommen ein paar Namen zurück. Meistens drei, manchmal fünf.
Stehen Sie dabei?
Wenn nicht, sind Sie in bester Gesellschaft, und genau darum geht es in diesem Artikel. „Bei Google stehen wir gut, das passt“ ist einer der Sätze, die ich in Gesprächen am häufigsten höre. Das stimmt bei vielen Betrieben auch. Nur beantwortet dieser Satz die Frage nicht mehr, die inzwischen zählt.
Was sich gerade wirklich verändert
Die Zahlen sind unbequem, deshalb ungeschönt:
- Rund 45 % der Verbraucher nutzen inzwischen KI-Tools für Kaufentscheidungen und Empfehlungen.
- Google beantwortet immer mehr Suchen direkt oben in der KI-Antwortbox, dem AI Overview. In manchen Branchen betrifft das bereits über 80 % der Suchanfragen.
- Gleichzeitig taucht in ChatGPT-Antworten nur etwa 1 bis 2 % der untersuchten lokalen Betriebe überhaupt auf.
Übersetzt: Der Kunde bekommt nicht mehr zehn blaue Links, aus denen er sich einen aussucht. Er bekommt drei Namen. Wer nicht zu diesen drei gehört, existiert für ihn nicht.
Das ist nicht der Untergang des Handwerks-Marketings, sondern eine Verschiebung. Früher hat man um Platz 1 gekämpft. Heute kämpft man darum, überhaupt genannt zu werden.
Warum kleine Betriebe hier eine echte Chance haben
Jetzt der Teil, den kaum jemand erzählt: KI-Systeme empfehlen nicht den mit dem größten Werbebudget. Sie empfehlen den, über den sie die klarsten und widerspruchsfreiesten Informationen finden.
Ein Zwölf-Mann-Betrieb mit sauber gepflegtem Profil, echten Bewertungen und klar beschriebenen Leistungen kann hier an einer großen Firma vorbeiziehen, die zwar Anzeigen schaltet, deren Daten aber überall unterschiedlich hinterlegt sind.
Das ist Handarbeit, keine Zauberei. Und in einem Nachmittag machbar.
Die vier Punkte, die tatsächlich zählen
1. Ihr Google-Unternehmensprofil ist vollständig, nicht „irgendwie da“
Leistungen einzeln eingetragen, Öffnungszeiten aktuell, Einzugsgebiet hinterlegt, aktuelle Fotos von echten Arbeiten. Hier holen sich KI-Systeme einen großen Teil ihres Wissens über Sie.
2. Ihre Daten sind überall identisch
Name, Adresse, Telefonnummer. Auf der Website, im Google-Profil, in Branchenverzeichnissen, im alten Kammer-Eintrag. Wenn irgendwo noch die Festnetznummer von vor dem Umzug steht, wird das System vorsichtig. Vorsichtige Systeme empfehlen nicht.
3. Sie haben echte, aktuelle Bewertungen mit Text
Nicht nur Sterne, sondern Text. Aus den Formulierungen Ihrer Kunden lernt die KI, wofür Sie stehen. Zehn Bewertungen, in denen „pünktlich“, „sauber gearbeitet“ und „Altbau“ vorkommen, sagen mehr als fünfzig blanke Fünf-Sterne-Klicks.
Wichtig dabei: Finger weg von Rabatten oder Gutscheinen als Gegenleistung. Google verbietet Anreize für Bewertungen ausdrücklich, und Wettbewerber können so etwas abmahnen. Seit April 2026 zeigt Google zusätzlich öffentlich an, wenn ein Profil Bewertungen hat löschen lassen.
4. Ihre Website beantwortet Fragen, statt sich zu präsentieren
„Wir sind Ihr kompetenter Partner seit 1987“ ist für eine KI wertlos. Eine Seite, auf der steht, was eine Heizungswartung im Altbau in Ihrer Region ungefähr kostet, wie lange sie dauert und was der Kunde vorbereiten muss, ist zitierfähig. Genau solche Absätze landen in den Antworten.
Der Test, 15 Minuten, kostet nichts
Der Test von oben, jetzt vollständig. Stellen Sie diese drei Fragen in ChatGPT und in der Google-Suche, so wie ein Kunde sie stellen würde:
- Wer ist ein guter [Ihr Gewerk] in [Ihr Ort]?
- Ich brauche kurzfristig [Ihre häufigste Leistung] in [Ihr Ort], wen kann ich fragen?
- Was kostet [Ihre häufigste Leistung] in [Ihre Region]?
Notieren Sie, wer genannt wird. Wenn Sie nicht dabei sind: Wer stattdessen? Schauen Sie sich deren Google-Profil an. Sie werden meistens sehen, dass die nichts Geniales machen, sondern nur konsequent das Naheliegende.
Und dann?
Ehrlich gesagt scheitert es selten am Wissen. Es scheitert daran, dass abends um acht niemand mehr Lust hat, Bewertungen einzusammeln und Profile zu pflegen. Genau deshalb baue ich diese Dinge so, dass sie von allein laufen: Bewertungsanfragen gehen nach jedem Auftrag automatisch raus, Anfragen kommen aufbereitet an, statt im Postfach unterzugehen.
Der erste Schritt kostet aber nichts und dauert eine Viertelstunde. Die komplette Prüfung habe ich als Checkliste zusammengefasst, mit allen Punkten und den Testfragen. Sie finden sie direkt unter diesem Artikel.
Die genannten Zahlen stammen aus öffentlich verfügbaren Branchenauswertungen 2025 und 2026. Dieser Beitrag ist eine praktische Einordnung und keine Rechtsberatung.